Comunda ohne wenn und aber: Christian und Peter packen aus!

Peter schlägt auf…

Als wandernder IT-Berater war ich schon oft in fremden Ortschaften unterwegs. Das bedeutet, man ist zwar stets unter Leuten, und doch zuweilen einsam. Eine Großstadtwüste rückt unaufhaltsam näher, und Anonymität dieses ständigen Menschenwirbels lässt bereuen, dass man sich aus dem vertrauten Kreis, der Komfortzone gewagt hat.

Spätestens wenige Wochen am neuen Ort wünscht man sich neue Freunde, und doch ist es mit uns Menschen so, dass wir uns für einen guten Umgang miteinander mehr Gemeinsamkeiten wünschen.

Wenn ich mich in Bars und Discos begebe, gar Sportvereine, so sind es Extreme, wo entweder eine totale Lotterie der Oberflächlichkeiten vorherrscht, oder umgekehrt langfristige Kumpelschaften, wo man nur über längere Zeit richtig rein- und ankommt.

Die meisten Menschen sind heutzutage nun mal sesshaft. Sie haben einen mehr oder weniger festen Freundeskreis, und dann kommt all dieser Drang der Berufswelt nach mehr Mobilität, Flexibilität und was auch immer noch, denn sonst ist man nicht motiviert, nicht dabei und nicht dabei kann auch bedeuten, schnell raus.

Was soll nun also ein Nomade tun, ob er so einer aus Überzeugung ist oder nicht ganz freiwillig?

Da gibt es natürlich die schöne neue Internet-Welt, wo die Ignoranz der Zwischenmenschlichkeit geradezu in fast purer Konzentration vorherrschen, man sieht sich nicht, man hört sich nicht, man riecht sich nicht, man ist nur ein abstraktes Suchergebnis, ja lediglich eine kleine Bildschirmzeile, und damit eine Kombination von zufälligen Parametern, ein Mensch aber sicherlich nicht.

All die schönen Dating-Portale, da wird schon mal viel für schnellen Sex gewettert, dann natürlich auch für Beziehungen, aber herrgottnochmal, was ist, wenn ich einfach mal mit ein Paar Menschen eine orientalische Teesorte kosten möchte, mit Menschen, die mehr Interesse am echten Leben als all die aufmerksamkeitssüchtigen Facebook-Gefangenen haben?

Oberflächlichkeit, Ignoranz und Verlangen nach schnellem Zugang zu noch mehr Oberflächlichkeit und Ignoranz hat mich noch einsamer und nachdenklicher gemacht. Ich zog mich zurück, meldete mich bei immer weiteren hochgepriesienen Social Networks aller Art an (wieso auch nicht?) und wartete, bis ich verstehe, was das alles für mein Leben bedeuten könnte.

Im Sommer 2013 landete ich in München und stellte dort endlich dank der Plattform Comunda fest, dass es eigentlich sinnlos ist, nach Menschen als Sätzen von digitalen Parametern zu suchen.

Damit versucht man womöglich eine Art unlösbare Gleichung zu lösen, denn durch solche Suche greife ich der wahren Begegnung in echt vor. Krass, oder? Die Spontanität des Aufeinanderkommens und des ersten Eindrücks (der manchmal in Erinnerung nicht weniger als Jahrzehnte fortbesteht) wird unwiderruflich verwässert.

Das bedeutet, ich habe mehr davon, meine Lebenszeit für 10 echte Begegnungen zu investieren, auch wenn ungeplante, als dieselbe Zeit mit Blättern in 200 Profilen und Herumchatten zu vergeuden. Mag schön unoptimiert für unsere Zeit klingen, aber da gibt es so viele Fragen ohne Antworten, die wir uns gar nicht stellen, und eigentlich nie stellen könnten, wenn nicht die moderne Technologie wäre. Versuche Dich zurück zu denken, als es mit jemand einen zufälligen Blickkontakt gab: kann man dieses Gefühl überhaupt rechnerisch mit der Internet-Suche aufwerten? Und wenn es doch unangenehm und verwirrend war, glaubst Du, das sei ein natürlicher menschlicher Zustand? Glaubst Du, die Realität der wahren Begegnung online vorwegzunehmen ist nicht, sich selber etwas eben weg zu nehmen?

Das leuchtete mir schon davor, und zwar in Düsseldorf ein, aber dort war ich nicht mehr lange und es kam dort nicht zu dem einen Gruppentreffen, welches mir weitere Geistesblitze bescheren sollte. Vielleicht auch weil ich damals in Düsseldorf schon länger gewesen war.

Ich kam also im Sommer 2013 in München an, und lernte neue Menschen über Comunda kennen, ohne richtig ihre Fotos zu betrachten, ohne groß zu vorwegzunehmen, was denn daraus werden könnte etc. etc. – liebe Melanie, danke für die Organisation!

Ich wusste nur, sie sind alle wie ich neu in München, und sehnen sich nach einem ganz normalen Zusammenkommen unter Freunden bei einem Cocktail. Ankunft zum Leben und Arbeiten in einer noch so schönen und dennoch fremden Großstadt kann nun mal Stress mit sich bringen, und wo bleibt der Ausgleich?

Also ging ich hin, und es wurde ein ganz netter, unbeschwerter Abend mit viel Lachen und Plauderei, und es folgten wunderbare weitere Begegnungen. Mal gab es auch Missverständnisse oder Ärger miteinander (nein, wir suchen hier keine Schuldigen), aber das war nun mal das echte menschliche offline Leben mit allen Emotionen, die dazu gehören.

Die am meisten bewegenden Momente verdanke ich Alex, der mich aus der Arbeitsroutine hoch in die alpine Welt begleitete und mit mir auf die Höhe von über 2000 Meter stieg, und war geduldig und fördernd, ganz egal wie viel Schiss und Unmut ich dabei hatte. Ich denke, diese Erfahrung hat mich ein ganzes Stück weit in vielerlei Hinsicht verändert.

Jetzt erinnere ich mich, wie auch schon 2012 von unbekannten Menschen aus der Meetup Plattform durch Australien dankbar führen und fahren ließ, und es war nie falsch. Ich setzte immer auf die Gemeinsamkeit der Interessen und die Art, wie man schon bei dem ersten so unrealem Internet-Kontakt umgeht: hier zählen Respekt, echtes Interesse an dem Miteinander und ein gutes Stück Achtsamkeit, auch wenn ich kein großer Meister darin bin.

Und dann, in München, hatte ich endlich realisiert, was die einzig mögliche menschenfreundliche Zukunft der sogenannten Social Networks sein wird, und begab mich auf die Suche nach Mitstreitern. Ich wusste, ich kann einfach nicht alleine sein auf der ganzen Welt, der so denkt und fühlt.

Auf diesem Wege war die Übernahme der dann plötzlich schließenden Comunda eine jener Gegebenheiten, die sich genau dann ergeben, wenn man anfängt, seinen eigenen Weg zu erkennen.

Und so fand ich mich ein gutes Jahr später nach dem größten Geistesblitz in Sternenfels. Das ist aus der Sicht eines Weltgroßstadt-Bummlers ein ziemlich abgelegener und ungewöhnlicher Ort.

Dort wartete ich auf Christians Ankunft. Es sollte unser großer Tag werden.

…und Christian schlägt den Return…

Ein paar Monate sind vergangen und wir nähern uns dem betahaus in Berlin, die DNX wartet. Während wir uns vom Hotel auf den Weg machen, frag ich mich immer wieder, wo hat mich Peter hier nur hingeschleppt. Digitale Nomaden? Was soll das sein, was soll ich mir bitteschön darunter vorstellen. Keine Ahnung!

Als wir am betahaus ankommen, fühle ich mich ein wenig unwohl und möchte mich am liebsten irgendwie doch in meiner Smartphone-Blase verstecken. Komfortzone verlassen, so ein Blödsinn…während ich mit meinen Gefühlen hadere, denke ich zurück und mir kommt die Ankunft in Sternenfels in den Sinn…

…gerade habe ich mit dem Auto das Ortschild „Sternenfels“ passiert. In diesem kleinen Ort sollen wir sie also finden, die kleine GbR die sich Comunda ausgedacht, betrieben und es auch wieder abgeschaltet hat. Während dieser Gedanken, habe ich Sternenfels schon fast wieder verlassen und muss umdrehen um einen Parkplatz zu suchen.

Erst einmal Peter anrufen, alles klar er ist schon vor Ort und wartet auf mich. Danke fliegendes Spaghettimonster ich bin nicht alleine, ein Gleichgesinnter wartet auf mich.

Die Strasse scheint schon einmal die richtige zu sein, nur die Hausnummer ist wohl weiter hinten, nach kurzer Suche haben wir das Gründerzentrum gefunden. Warum hat ein kleiner Ort wie Sternenfels ein eigenes Gründerzentrum, frage ich mich.

Nun erwartet uns, im nachhinein betrachtet, ein wirklich angenehmes und auch konstruktives Businessmeeting mit den Herren von HD Internet Forum. Es werden Butterbrezeln, Süßkram und alle möglichen, nicht alkoholischen Getränke aufgetischt, vermutlich hätten wir auch etwas alkoholisches bekommen, hätten wir nur gefragt.

Es geht los, Peter übernimmt die Führung und steuert unser Meeting in die richtige Bahn, es wird philosophiert, gelacht und abgewägt und am Ende des Meetings sind wir um etliche Fragen und Ideen erleichtert und haben genügend Informationen gesammelt um die Übernahme komplett zu machen, doch wir erbitten uns doch noch ein wenig Bedenkzeit.

Doch für mich war klar, auch wenn es wirklich nicht einfach wird, ich möchte das Comunda wiederbelebt wird. Auch in den Augen von Peter kann ich es sehen, er ist mehr als zufrieden mit dem Meeting.

Die nicht unaufwendige Zusammenkunft, auch wenn am A…. der Welt, hat sich wirklich gelohnt! Ein Gefühl von Stolz und Zufriedenheit durchströmt meinen Geist, ein schönes Gefühl muss ich sagen, es lässt diesen großen Tag sehr angenehm ausklingen…

…scheisse, wo bin ich? Ach ja ich stehe vor dem betahaus in Berlin und warte darauf, dass die Türen für das gemeinsamme Frühstück geöffnet werden, ich hab schließlich Hunger…wer braucht schon eine Komfortzone…DNX ich komme…

Bildquellen: Wikimedia (Wikimol); Kevernacular.

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